Vorsicht beim FTDI-Treiber 2.12.0 für Windows

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Vorsicht beim FTDI-Treiber 2.12.0 für Windows

Beitragvon DL9MWE » Mi 6. Mai 2015, 14:55

Als USB-RS232-Converter werden gerne Versionen der FT232-Familie der schottischen Firma FTDI eingesetzt.
Weil die so beliebt sind, gibt es wohl reichlich Fälschungen am Markt. Vermutlich verwenden die Fälscher einen entspr. programmierten Mikrocontroller, der die Funktionalität ausreichend genug nachahmt, um auch mit den FTDI-Treibern klarzukommen.
Spätestens mit der Windows-Treiber-Version 2.12.0 hat FTDI ein Verfahren eingeführt, das gefälschte Chips erkennt und intern verändert, indem die PID (part identification) von der originalen 6001 auf 0000 gesetzt wird. Damit werden diese Chips auch unter anderen Betriebssystemen vom Treiber nicht mehr als USB-Device erkannt.
Ich halte das für ein höchst fragwürdiges Verfahren, denn ich habe den Chip guten Glaubens gekauft. Ich kann auch gar nicht erkennen, ob es sich um eine Fälschung handelt. Die Verantwortung dafür liegt beim Hersteller des Breakout-boards bzw. bei dessen Zulieferern.
FTDI bestraft allerdings den Endanwender durch einen Eingriff in die intern gespeicherten Daten. Abgesehen von dem Ärger, den das Außerbetriebsetzen bereitet, ist es fraglich, ob das zulässig ist. Der Hinweis auf die abgenickte Lizenzbedingung, dass der Treibers nur mit Original-Chips zu verwenden ist, reicht nicht als Rechtfertigung für einen destruktiven Eingriff in mein Eigentum.
Natürlich ist es illegal, dass Nachahmer Chips verkaufen, die so tun, als seien sie Originale.
FTDI könnte jedoch ganz einfach die Verwendung des Treibers auf Original-Chips beschränken. Dazu muss nicht in das Eigentum des Endanwenders destruktiv eingegriffen werden.

Nun gut: ich werde mich künftig von FTDI-Produkten fernhalten, und ich denke, dass auch Gerätehersteller überlegen werden, ob sie FDTI-Chip (bzw. in gutem Glauben als solche gekaufte) einsetzen wollen. Wer möchte sich schon die Beschwerden seiner Kunden anhören, die nach einem Update mit dem Gerät nichts mehr anfangen können?

Meinen -wohl als Fake erkannten- Chip habe ich dank vieler wertvoller Tipps im Netz wieder regenerieren können.
Wichtig ist, dass man zuerst den destruktiven Treiber löscht. Im Gerätemanager sind dafür die Einträge für die COM-Schnittstelle UND des entspr. USB-Controllers (USB Serial Converter) zu deinstallieren. Dann wird von der FTDI-Seite der Treiber mit der Versionsnummer 2.10.0 (der letzte "saubere") heruntergeladen. Auf einer Seite der Zeitschrift c´t "http://www.heise.de/make/meldung/Treiber-gegen-gefaelschte-Chips-FTDI-ruft-Fake-Killer-zurueck-2435079.html" steht, wie man zwei .inf-Dateien (nicht .ini, wie dort steht) modifizieren muss, damit die geänderten Chips wieder als USB-Devices erkannt werden. Es mag übrigens sein, dass beim automatischen Windows-Update die brutalen Treiber tatsächlich nicht mehr geladen werden, wie im c´t-Artikel steht. Die Version 2.12.0 auf der FTDI-Seite ist jedoch nach wie vor die "Killer-Version".
Dabei kann man es schon belassen, denn mit dem geänderten Treiber kann man auf den geänderten Chip wieder zugreifen.
Wer den Originalzustand wieder herstellen will, kann anschließend mit dem FTDI-Programm MProg (hier in der Version 3.5) die korrekte PID 6001 wieder eintragen. Die neuere Version dieses Tools namens FT_Prog arbeitet offenbar nicht mit gefälschten Chips zusammen.
Nun noch den modifizierten Treiber deinstallieren, die ursprüngliche Version der .inf-Dateien wieder herstellen (natürlich hat man die beiden vor der Änderung gesichert) und erneut installieren.
Besser ist es allerdings, den FTDI-Treiber nicht weiter zu verwenden. Denn nun ist ja klar, dass die Treiberverwendung außerhalb der Lizenzbedingungen liegen würde.

Von Silicon Labs gibt es übrigens den CP2104. Das ist auch ein USB-Seriell-Converter. Z.B. Pololu vertreibt ein breakout-board mit dem Converter. Die Treiberinstallation unter Windows ist denkbar einfach: Plug and Play!
DL9MWE
 
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